Sparbücher

-Einlagebuch – Sparbuch-

( 200 Jahre Sparbücher in Deutschland)

Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts riefen  Raiffeisenbanken dazu auf, das älteste Sparbuch ausfindig zu machen. Innerhalb kurzer Zeit kamen über 10.000 alte Sparbücher aus allen Teilen Deutschlands zusammen.

Nach eifriger Sichtung dieses eingereichten Sparbuchberges stand fest:  Das älteste eingereichte Sparbuch wurde im Jahre 1836 bei der Spar- und Leihcasse zu Leißnig, einer Kleinstadt zwischen Leipzig und Dresden, ausgestellt. Die Kundin zahlte 12 Thaler ein. Verzinst wurden die Gelder zu diesem Zeitpunkt mit 3 1/8 %. Das Sparbuch wurde für die Kundin 63 Jahre bis zum Jahre  1899 von der Bank geführt.  Auch das zweitälteste (1848) und das drittälteste (1854) eingereichte Sparbuch ist in Sachsen –Leipzig und Grimma- eröffnet worden.

Sie wurden stets bis zum Tod der Sparer von der jeweiligen Sparkasse geführt. Es sind schöne Dokumente des Sparfleißes. In der Sparverordnung der Stadt Leipzig hatte der Rat der Stadt festgelegt, dass die „Sparcasse“ nur Einlagen von Unbemittelten und nicht selbständigen Personen bis zur Höhe von 50 Thalern annehmen durfte. Verzinst wurde die Einlage mit 2 2/3 % oder 8 Pfennig pro Thaler jährlich.

Laut einem Bericht von Spiegel-Online wird das wohl älteste erhaltene Sparbuch Deutschlands, beim Dts. Sparkassen-und Giroverband aufbewahrt. Es wurde von der „Plöner Spar- und Leihkasse“ im Jahre 1826 ausgegeben.

Alte Sparbücher auf Flohmärkten und im Internet zu finden ist selten geworden, denn das Sparbuch gehört immer der ausgebenden Bank, das Guthaben dem Kunden. Bei Kontolöschung musste die Urkunde an die Bank zurückgegeben werden und wurde vernichtet. Ab1970 werden entwertete Sparbücher (gelocht, Ecke abgeschnitten) dem Sparer wieder ausgehändigt.

Im Jahre 2009 rief die Berliner  Sparkasse und im Jahr 2012 der Ostdeutsche Sparkassenverband dazu auf das älteste sich noch in Privathand befindliche Sparbuch einzureichen. (Ergebnis: Berlin 1874; OSV 1869  Chemnitzer Sparkasse)

Das älteste Sparkassen-Sparbuch – neu seit Juni 2016 – in meiner Sammlung, datiert von 1849 und wurde mit einer Einzahlung von 18 Reichsthalern bei der Sparkasse zu Zittau  mit der Konto-Nr. 4652 eröffnet. Jede Einzahlung mußte von einem Curatoren und dem  Kassierer im Sparbuch/ Quittungsbuch unterschrieben werden. Der Zins betrug 2 2/3 %. Dies war zwischen 1848 und 1854  der marktübliche Zins. Es scheint mir dass die ältesten noch vorhandenen Sparbücher in Sachsen ausgegeben wurden.

Das älteste genossenschaftliche Sparbuch in meiner Sammlung datiert von 1865 und wurde am 01.04.1865     mit einer Einzahlung von , -00 Thalern/18 Kreuzer bei dem Vorschuß- und Kredit-Verein zu Reichelsheim/Wetterau , eingerichtet. Jede einzelne Einzahlung wurde von dem/der Sparer(In) und dem Kassenführer im Sparbuch unterschrieben.

Die Betrachtung von alten Sparbüchern ist nicht langweilig. Sie vermitteln m.E. ein lebendiges Bild von Handel und Wandel, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in 200 Jahren. Menschliche Schicksale, Währungsumstellungen, die Entwicklung des Spar- und Bankwesens, der Umgang mit Geld zu Zeiten unserer Groß- und Urgroßeltern werden aus ihnen transparent.

Mit diesem Teil meiner Sammlung geht es mir darum, den Menschen unserer Tage zu verdeutlichen, dass Sparen ein altbewährter Bestandteil einer vernünftigen Lebensweise ist.

Es sollte nicht vergessen werden, dass viele Errungenschaften unserer Tage nur dadurch finanziert werden konnten, dass schon vor vielen Jahrzehnten durch die Spartätigkeit die Mittel angesammelt worden sind – oft in kleinsten Beträgen – die erst den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt ermöglichten, indem aus den Geldern breitester Volksschichten Kredite zu vielfältigen Zwecken gegeben werden konnten.

Aus Spargeld wird Kredit.

Öffentliche Sparkassen waren,  regional unterschiedlich, angehalten, die Spargelder ihrer Kunden nur in Pfandbriefen, die mit einer staatlichen Garantie ausgestattet waren, oder in Grundstückshypotheken bis zum halben Wert der Feuerversicherungssumme anzulegen.

 Im Jahre 1880 wurden aber auch schon Kredite gegen „Handscheine“ ausgegeben, sofern als wohlhabend angesehene Eingesessene, deren Liste alljährlich dem Gemeindevorsteher und der Amtsvertretung vorgelegt werden musste, die selbstschuldnerische Bürgschaft übernahmen.

Friedrich W. Raiffeisen hatte zu dieser Zeit schon begonnen, auf dem Wege der genossenschaftlichen Selbsthilfe hier eine Lücke zu schließen, indem er durch seine Spar- und Darlehnskassenvereine, deren Mitglieder unbeschränkt hafteten, breiten Bevölkerungsschichten den mittelfristigen Personalkredit ermöglichte. Bei den Raiffeisen- Genossenschaften ersetzte die Haftungsgemeinschaft den Einzelbürgen.

Vereinfacht gesagt, schlug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Schaffung der ersten Spareinrichtungen die „Geburtsstunde des kleinen Sparers“, die Gründung der -Raiffeisen-Genossenschaftsbanken, Volksbanken-, aber läutete ab ca. 1870 die

„Stunde des kleinen Kreditnehmers“ ein.

Seit 2008 lösen immer mehr Banken ihre herkömmlichen Sparbücher durch moderne Sparcards ab. Das zur Sparcard gehörende Sparkonto wird online geführt und kann so ganz einfach und bequem vom heimischen Rechner aus verwaltet werden. Kunden haben so jederzeit den Überblick über das Sparguthaben.

Vorteil der Sparcard, anders als beim Sparbuch können Kunden mit der Sparcard am Geldautomaten Bargeld von ihrem Sparkonto abheben und somit unabhängig von den Bank- Öffnungszeiten über die Spareinlage bis zur Höhe von € 2.000 pro Kalendermonat verfügen.

Gleichwohl für ältere Kunden ist diese moderne Form einer Übersicht über ihr Spargeld gewöhnungsbedürftig. Schade das es  das gute alte Sparbuch nach 200 Jahren nicht mehr gibt.

So wird wieder ein wichtiger Baustein unserer wirtschaftlichen und sozialen Geschichte  zu Grabe getragen.

Geld begleitet unser ganzes Leben  –
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aber nur stabiles Geld, ist gutes Geld.

Sparbücher - Ausschnitt 2       Sparbücher - Ausschnitt 1